
Um in Leitmedien wie der Tagesschau zu landen, müssen Experten aufhören, um Aufmerksamkeit zu bitten, und anfangen, journalistische Bedürfnisse strategisch zu bedienen.
- Erfolg basiert auf einem konsequenten Wertetausch: Bieten Sie exklusive Daten, schnelle Einschätzungen und echten Mehrwert, bevor Sie eine Gegenleistung erwarten.
- Der richtige Kanal hängt vom Ziel ab: Fachmedien schaffen tiefes Vertrauen bei B2B-Entscheidern, während soziale Plattformen wie TikTok den direkten Draht zur nächsten Generation herstellen.
Empfehlung: Analysieren Sie Ihre Kernexpertise und übersetzen Sie sie in konkrete, für Journalisten nützliche „Content-Pakete“ (Daten, Zitate, Analysen), bevor Sie den ersten Kontakt aufnehmen.
Jeder Experte träumt davon: Einmal als Gast in der Tagesschau, ein Zitat im Handelsblatt oder ein ausführliches Porträt in der ZEIT. Die Vorstellung, die eigene Expertise einem Millionenpublikum zu präsentieren, ohne einen Cent für Werbung auszugeben, ist der heilige Gral der Public Relations. Doch die Realität sieht für viele ernüchternd aus. Täglich prasseln Tausende von Pressemitteilungen auf die Redaktionen ein, von denen 99 % ungelesen im digitalen Papierkorb landen. Viele PR-Referenten und Fachexperten glauben immer noch, eine gut geschriebene Meldung über das eigene Unternehmen sei der Schlüssel zum Erfolg.
Die gängigen Ratschläge – „bauen Sie ein Netzwerk auf“, „erzählen Sie eine gute Geschichte“ – sind zwar nicht falsch, aber sie kratzen nur an der Oberfläche. Sie ignorieren den fundamentalen Wandel in der deutschen Medienlandschaft. Journalisten stehen unter enormem Zeitdruck. Sie suchen keine Werbebotschaften, sondern verlässliche Quellen, die ihnen helfen, ihre eigene Arbeit besser und schneller zu machen. Was wäre also, wenn der Schlüssel zur Sichtbarkeit nicht darin liegt, die eigene Geschichte zu pushen, sondern die Bedürfnisse von Journalisten proaktiv zu erfüllen?
Dieser Perspektivwechsel vom Bittsteller zum Partner ist entscheidend. Es geht nicht mehr darum, um Aufmerksamkeit zu werben, sondern darum, sich durch einen strategischen Wertetausch unentbehrlich zu machen. Statt zu fragen: „Wie bekomme ich meine Geschichte in die Medien?“, lautet die strategische Frage: „Welchen einzigartigen Wert kann ich einem Journalisten heute bieten, damit er morgen auf mich zukommt?“. Dieser Artikel zeigt Ihnen, wie Sie diesen Wandel vollziehen, die Denkweise von Redakteuren verstehen und Ihre Expertise als wertvolle Ressource etablieren, die Journalisten gerne nutzen.
Um diese strategische Neuausrichtung greifbar zu machen, beleuchten wir in den folgenden Abschnitten die entscheidenden Hebel für erfolgreiche, unbezahlte Medienpräsenz in Deutschland. Von der Psychologie hinter der Themenauswahl der Tagesschau bis zur authentischen Kommunikation mit der Generation Z auf TikTok.
Inhaltsverzeichnis: Ihr Weg zur unbezahlten Medienpräsenz
- Warum bestimmt die Tagesschau immer noch, worüber Ihre Kunden morgen sprechen?
- Wie schreiben Sie eine Meldung, die Journalisten nicht sofort löschen?
- Fachzeitschrift oder Online-Portal: Wo erreichen Sie B2B-Entscheider effektiver?
- Der virale Fehltritt: Wie reagieren Sie in den ersten 2 Stunden einer Medienkrise?
- Wie pflegen Sie Kontakte zu Journalisten, damit diese Sie anrufen?
- Stellungnahme oder Stille: Was tun, wenn Trolle Ihre Seite fluten?
- Warum wirkt lokales Sponsoring glaubwürdiger als eine globale Spendenkampagne?
- Wie erreichen Sie Auszubildende auf TikTok, ohne als Unternehmen peinlich zu wirken?
Warum bestimmt die Tagesschau immer noch, worüber Ihre Kunden morgen sprechen?
In einer fragmentierten Medienwelt mit unzähligen Nischenblogs und Social-Media-Feeds mag es kontraintuitiv klingen, aber die klassischen Leitmedien wie die Tagesschau, SPIEGEL oder die Süddeutsche Zeitung fungieren nach wie vor als zentrale Agenda-Setter für die öffentliche Debatte in Deutschland. Ihre Themenauswahl sickert kaskadenartig durch die gesamte Medienlandschaft, wird von kleineren Portalen aufgegriffen, in Talkshows diskutiert und prägt letztlich, worüber am nächsten Tag im Büro und in den sozialen Netzwerken gesprochen wird. Ein Auftritt hier ist kein reiner Reputationsgewinn, sondern ein direkter Hebel, um die Wahrnehmung eines Themas in der Breite zu beeinflussen.
Der Grund für diese anhaltende Dominanz liegt in der aufgebauten Glaubwürdigkeit und der enormen Reichweite. Während digitale Kanäle oft in Echokammern agieren, erreichen Leitmedien ein diverses Publikum. Für Experten bedeutet das: Wer hier platziert wird, spricht nicht nur zu den eigenen Anhängern, sondern erreicht auch Kritiker, potenzielle Geschäftspartner und vor allem die Entscheider von morgen. Die Platzierung in einem Leitmedium ist ein Glaubwürdigkeitssiegel, das digital kaum zu replizieren ist. Es signalisiert Relevanz und bestätigt die Expertise auf einer nationalen Bühne.
Um diese Bühne zu betreten, müssen Sie die Logik der Nachrichtenredaktionen verstehen. Diese suchen nicht nach Unternehmensnews, sondern nach Beiträgen zur aktuellen Nachrichtenlage. Ein Experte, der eine überraschende Einordnung zur neuesten Konjunkturprognose, eine datenbasierte Analyse zu einem gesellschaftlichen Trend oder eine 20-Sekunden-Einschätzung zu einem Gerichtsurteil liefern kann, wird zur wertvollen Ressource. Es geht darum, das eigene Thema als relevanten Baustein für eine grössere, bereits existierende Geschichte anzubieten. Der Weg in die Tagesschau führt selten über die eigene Produktankündigung, sondern über die proaktive Bereitstellung von Kontext und Einordnung zu den Themen, die das Land bereits bewegen.
Wie schreiben Sie eine Meldung, die Journalisten nicht sofort löschen?
Die E-Mail-Inbox eines Journalisten ist ein Schlachtfeld der Aufmerksamkeit. Hunderte Meldungen kämpfen täglich um wenige Sekunden Betrachtungszeit. Die meisten scheitern bereits an der ersten Hürde: der Betreffzeile. Generische Titel wie „Pressemitteilung der Firma XY“ sind eine Garantie für die direkte Verschiebung in den Papierkorb. Erfolgreiche PR-Profis verstehen, dass die Betreffzeile kein Titel, sondern ein Köder sein muss. Sie muss in weniger als 50 Zeichen eine Frage aufwerfen, eine überraschende Tatsache präsentieren oder einen klaren Nachrichtenwert signalisieren.
Eine bewährte Taktik ist, die wichtigste Information oder die kontroverseste Aussage direkt in den Betreff zu packen. Statt „Studie zur Mitarbeiterzufriedenheit“, funktioniert „Neue Studie: Jeder dritte deutsche Angestellte kündigt innerlich“. Dies weckt Neugier und verspricht eine relevante Geschichte. Eine weitere Strategie für eine hohe Öffnungsrate ist die Reduktion auf das Wesentliche. Viele Profis empfehlen, statt „Pressemitteilung“ nur das Kürzel „PM“ zu verwenden. Das spart wertvollen Platz im Betreff und macht sofort klar, um welches Format es sich handelt, sodass der restliche Raum für den eigentlichen Inhalt genutzt werden kann. Der Fokus muss auf einer klaren, prägnanten Formulierung liegen, die den journalistischer Bedarf nach schneller Einordnung erfüllt.
Über den Betreff hinaus muss die E-Mail selbst auf Effizienz getrimmt sein. Journalisten haben keine Zeit, lange Texte zu entschlüsseln. Die Kernaussage gehört in den ersten Satz. Anstatt mit einer Vorstellung des Unternehmens zu beginnen, starten Sie mit dem Nachrichtenwert: „Sehr geehrte/r Herr/Frau Mustermann, angesichts der aktuellen Debatte um [Thema X] zeigt unsere exklusive Umfrage, dass [Ergebnis Y]“. Danach folgen die wichtigsten Fakten in Bullet Points. Der vollständige Pressetext sollte nicht im E-Mail-Text stehen, sondern als gut strukturierter Anhang (PDF) oder, noch besser, als Link zu einer Presseseite beigefügt sein. Dies respektiert die Zeit des Journalisten und signalisiert Professionalität.
Folgende Punkte helfen, Ihre E-Mail aus der Masse hervorzuheben:
- Überraschung: Nutzen Sie kontroverse Thesen oder unerwartete Daten.
- Aktualität: Beziehen Sie sich auf ein aktuelles Ereignis oder eine laufende Debatte.
- Exklusivität: Bieten Sie Daten, ein Interview oder eine Geschichte exklusiv einem Medium an.
- Emotion: Erzählen Sie eine menschliche Geschichte hinter den Fakten.
Fachzeitschrift oder Online-Portal: Wo erreichen Sie B2B-Entscheider effektiver?
Während die grossen Leitmedien die öffentliche Meinung prägen, findet die gezielte Ansprache von B2B-Entscheidern oft in einem anderen Kosmos statt: der Welt der Fachmedien. Für PR-Referenten stellt sich hier die strategische Frage, ob das Budget und die Zeit besser in klassische Print-Fachzeitschriften oder in deren digitale Pendants und branchenspezifische Online-Portale investiert werden sollten. Die Antwort ist nicht pauschal, sondern hängt stark von den Zielen, der Zielgruppe und dem Zeithorizont ab.
Dabei zeigt sich, dass traditionelle Kanäle keineswegs an Bedeutung verloren haben. Im Gegenteil: Laut einer Sonderauswertung der Deutschen Fachpresse bleiben Fachzeitschriften mit 45,2 Prozent regelmässiger Nutzung die meistgenutzte Informationsquelle für Entscheider. Ihre Stärke liegt in der hohen Glaubwürdigkeit und der konzentrierten Leseatmosphäre. Ein Fachartikel in einem renommierten Print-Magazin wird oft sorgfältiger gelesen und als vertrauenswürdiger eingestuft als ein schnell überflogener Online-Beitrag. Dies gilt insbesondere für die Zielgruppe der Entscheider über 40 Jahre.

Digitale Fachmedien und Online-Portale punkten hingegen mit Schnelligkeit, Messbarkeit und der Möglichkeit zur direkten Interaktion. Ein Beitrag kann innerhalb von Tagen publiziert werden und Leads generieren. Die Herausforderung hier ist die geringere Aufmerksamkeitsspanne der Nutzer und die höhere Konkurrenz durch andere Inhalte. Die folgende Übersicht, basierend auf Daten der Deutschen Fachpresse, verdeutlicht die unterschiedlichen Stärken der Kanäle:
| Kriterium | Print-Fachzeitschriften | Digitale Fachmedien | Online-Portale |
|---|---|---|---|
| Regelmässige Nutzung | 45,2% | 23,7% | ca. 20% |
| Glaubwürdigkeit | Sehr hoch | Hoch | Mittel |
| Lead-Zeit | 4-8 Wochen | 1-2 Wochen | Sofort |
| Zielgruppe 40+ | 47,6% | 23,8% | k.A. |
| Zielgruppe <40 | 36,8% | 23,4% | k.A. |
Eine effektive B2B-Strategie kombiniert daher oft beide Welten. Ein tiefgehender Fachartikel in einem Print-Magazin baut fundamentales Vertrauen und Markenautorität auf. Gleichzeitig können kürzere, meinungsstarke Beiträge auf Online-Portalen für schnelle Sichtbarkeit, Traffic und die Generierung von Anfragen sorgen. Die Kunst besteht darin, den Inhalt an das jeweilige Medium anzupassen, anstatt denselben Text überall zu verwenden.
Der virale Fehltritt: Wie reagieren Sie in den ersten 2 Stunden einer Medienkrise?
Ein unbedachter Social-Media-Post, ein fehlerhaftes Produkt oder eine kritische Kundenbewertung – in der digitalen Welt kann aus einer Mücke binnen Minuten ein Elefant werden. Ein „Shitstorm“ entwickelt eine Eigendynamik, die kaum zu kontrollieren ist, wenn nicht sofort und strategisch gehandelt wird. Die ersten 120 Minuten sind dabei absolut entscheidend. In dieser Phase wird das Fundament für eine erfolgreiche Deeskalation oder für einen nachhaltigen Reputationsschaden gelegt. Panik und unkoordinierte Einzelaktionen sind die grössten Fehler. Stattdessen ist ein kühler Kopf und ein klarer Plan gefragt.
Das oberste Gebot lautet: Schnelligkeit vor Perfektion. Langes Schweigen wird im Netz als Schuldeingeständnis oder Ignoranz gewertet und heizt die Empörung weiter an. Es geht nicht darum, sofort eine finale Lösung zu präsentieren, sondern darum, zu signalisieren: „Wir haben das Problem erkannt, wir nehmen es ernst und wir arbeiten daran.“ Ein erstes „Holding Statement“ innerhalb von 60 Minuten ist Pflicht. Dieses sollte auf der Website sachlich und faktenorientiert sein, während es auf Social Media empathisch und menschlich formuliert wird. Es kauft wertvolle Zeit, um die Faktenlage zu prüfen und die nächsten Schritte abzustimmen.
Parallel zur externen Kommunikation muss intern der Krisenstab aktiviert werden. Dieses Team aus PR, Rechtsabteilung, Management und Fachabteilung muss die Fakten zusammentragen, die rechtlichen Implikationen bewerten und die Kommunikationsstrategie festlegen. Ein permanentes Monitoring aller Kanäle ist unerlässlich, um die Reichweite, die Tonalität (Sentiment) und die Hauptkritikpunkte der Debatte in Echtzeit zu erfassen. Nur so können die Reaktionen gezielt angepasst und die wichtigsten Stakeholder – von Mitarbeitern über Partner bis zu Grosskunden – proaktiv informiert werden, bevor sie die Nachrichten aus den Medien erfahren.
Ihr Krisenreaktionsplan: Die ersten 2 Stunden
- 0-15 Min: Krisenstab aktivieren, erste Faktenlage sichern und sofort die Rechtsabteilung einbinden, um rechtliche Risiken zu bewerten.
- 15-30 Min: Umfassendes Monitoring aller relevanten Kanäle (Social Media, Foren, News-Seiten) starten, um Reichweite und Sentiment der Krise zu analysieren.
- 30-60 Min: Ein erstes „Holding Statement“ vorbereiten. Die Tonalität muss kanalspezifisch angepasst werden: sachlich für die Website, empathisch für Social Media.
- 60-90 Min: Interne Stakeholder-Kommunikation priorisieren. Informieren Sie Mitarbeiter, wichtige Partner und Grosskunden, bevor diese durch externe Quellen von der Krise erfahren.
- 90-120 Min: Die erste öffentliche Reaktion publizieren und parallel ein internes Q&A-Dokument erstellen, um konsistente Antworten auf wiederkehrende Anfragen sicherzustellen.
Wie pflegen Sie Kontakte zu Journalisten, damit diese Sie anrufen?
Die wertvollsten Medienplatzierungen entstehen nicht durch eine brillante Pressemitteilung, sondern durch einen Anruf eines Journalisten, der sagt: „Ich habe da ein Thema, könnten Sie mir dazu eine Einschätzung geben?“. Dieser Status als gefragter Experte ist das Ergebnis langfristiger und strategischer Beziehungspflege. Es geht darum, sich im Kopf des Journalisten als verlässliche, kompetente und schnell erreichbare Quelle zu verankern. Dieser Prozess ist kein Sprint, sondern ein Marathon, der auf dem Prinzip des Wertetauschs basiert.
Der Kern dieses Ansatzes ist das „Geben-Geben-Geben-Bitten“-Prinzip. Bevor Sie jemals um eine Platzierung bitten, müssen Sie mehrfach uneigennützig Wert geliefert haben. Das kann bedeuten, einem Journalisten einen Hinweis auf eine interessante Story zu geben (auch wenn sie nichts mit Ihrem Unternehmen zu tun hat), ihm Zugang zu exklusiven Daten zu verschaffen oder ihn mit einem anderen Experten aus Ihrem Netzwerk zu verbinden. Jede dieser Interaktionen ist eine Einzahlung auf Ihr Glaubwürdigkeits-Konto. Ein direkter, persönlicher Kontakt, sei es durch ein kurzes Telefonat oder ein Treffen auf einer Branchenveranstaltung, wirkt dabei stärker nach als jede E-Mail. Sie werden von einer reinen Informationsquelle zu einer lebendigen Person, an die man sich erinnert.

Die PR-Expertin Birgit Susemihl bringt die Herausforderung auf den Punkt. Sie betont, wie wichtig es ist, aus der Masse herauszustechen, um überhaupt wahrgenommen zu werden:
Journalisten haben wenig Zeit. Und sie kriegen hunderte E-Mails täglich. Ihre Mail muss der JournalistIn ins Auge springen und so richtig Appetit machen.
– Birgit Susemihl, Zur guten PR – Praxistipps für Journalistenkontakte
Dieser „Appetit“ wird nicht durch Werbeslogans, sondern durch Relevanz und Nützlichkeit geweckt. Analysieren Sie, worüber die für Sie relevanten Journalisten schreiben. Verstehen Sie ihre Schwerpunkte, ihren Stil und die Art von Geschichten, die sie suchen. Wenn Sie dann Kontakt aufnehmen, tun Sie es nicht mit einer Forderung, sondern mit einem Angebot. „Ich habe Ihren Artikel über [Thema X] gelesen und hätte dazu ergänzende Daten aus unserer aktuellen Studie, die Ihre These stützen.“ Dieser Ansatz signalisiert, dass Sie Ihre Hausaufgaben gemacht haben und als Partner auf Augenhöhe agieren, nicht als Bittsteller.
Stellungnahme oder Stille: Was tun, wenn Trolle Ihre Seite fluten?
Ein organisierter Angriff von Trollen oder eine Welle hasserfüllter Kommentare unter einem Social-Media-Post kann jedes Unternehmen treffen. Die intuitive Reaktion – entweder sofortiges Löschen oder eine emotionale Gegenreaktion – ist meist die falsche. Ein strategischer Umgang mit negativen Kommentaren erfordert eine schnelle Triage und eine klare, rechtlich abgesicherte Vorgehensweise. Nicht jeder kritische Kommentar ist ein Angriff, und nicht jeder Angriff verdient eine öffentliche Reaktion. Die erste Aufgabe ist es, zu unterscheiden: Handelt es sich um konstruktive Kritik, eine Falschbehauptung, eine strafrechtlich relevante Beleidigung oder einen organisierten Angriff?
Konstruktive Kritik, auch wenn sie scharf formuliert ist, ist durch die Meinungsfreiheit (Art. 5 GG) gedeckt und sollte als Chance begriffen werden. Eine öffentliche, sachliche und lösungsorientierte Antwort signalisiert Souveränität und Kundenorientierung. Das Ziel ist es, den Dialog zu suchen und zu zeigen, dass Feedback ernst genommen wird. Bei gezielten Falschbehauptungen ist hingegen schnelles Handeln gefragt. Eine knappe, faktenbasierte Richtigstellung ist essenziell, um die Deutungshoheit zu behalten. Wenn die Falschbehauptung verleumderischen Charakter hat (§ 187 StGB), sollten rechtliche Schritte geprüft werden.
Eine klare rote Linie muss bei Beleidigungen, Volksverhetzung oder Drohungen gezogen werden. Diese Kommentare fallen unter Straftatbestände wie § 185 StGB (Beleidigung) und sollten niemals toleriert werden. Hier gilt die Regel: dokumentieren (Screenshot für Beweiszwecke), der Plattform melden und sofort löschen. Eine inhaltliche Auseinandersetzung ist hier kontraproduktiv und bietet den Tätern nur eine weitere Bühne. Bei organisierten Angriffen, die oft von Troll-Netzwerken ausgehen und unter das Netzwerkdurchsetzungsgesetz (NetzDG) fallen können, ist die beste Strategie, die Plattform zu informieren und sich nicht auf Diskussionen einzulassen. Jede Interaktion füttert den Algorithmus und erhöht die Sichtbarkeit der schädlichen Inhalte.
Die folgende Matrix bietet eine schnelle Entscheidungshilfe für den Umgang mit kritischen Kommentaren im deutschen Rechtsrahmen.
| Kommentar-Typ | Rechtliche Einordnung | Empfohlene Reaktion | Zeitrahmen |
|---|---|---|---|
| Konstruktive Kritik | Meinungsfreiheit (Art. 5 GG) | Öffentlich antworten, Dialog suchen | 24-48h |
| Falschbehauptungen | Ggf. Verleumdung (§ 187 StGB) | Richtigstellung, ggf. rechtliche Schritte | 6-12h |
| Beleidigungen | § 185 StGB | Dokumentieren, melden, löschen | Sofort |
| Organisierte Angriffe | NetzDG relevant | Plattform informieren, nicht engagieren | 2-4h |
Warum wirkt lokales Sponsoring glaubwürdiger als eine globale Spendenkampagne?
In Zeiten von globalisierten Märkten und austauschbaren Markenbotschaften suchen Unternehmen nach Wegen, um authentische Verbindungen zu ihren Kunden und Mitarbeitern aufzubauen. Corporate Social Responsibility (CSR) ist hier ein beliebtes Instrument. Doch eine Spende an eine grosse, anonyme, globale NGO verpufft oft in der öffentlichen Wahrnehmung. Im Gegensatz dazu entfaltet lokales Sponsoring eine ungleich höhere Glaubwürdigkeit und emotionale Bindung. Der Grund dafür liegt in der psychologischen Wirkung von Nähe und Greifbarkeit.
Wenn ein mittelständisches Unternehmen aus dem Schwarzwald die Trikots des örtlichen Fussballvereins sponsert, ist das Ergebnis direkt sichtbar und erlebbar. Die Mitarbeiter, deren Kinder im Verein spielen, identifizieren sich stärker mit ihrem Arbeitgeber. Die Kunden, die am Wochenende am Spielfeldrand stehen, sehen das Engagement live vor Ort. Die Lokalpresse berichtet eher über die Unterstützung für das städtische Sommerfest als über eine Spende an eine internationale Organisation. Diese physische Präsenz und lokale Relevanz schaffen eine Authentizität, die eine globale Kampagne niemals erreichen kann. Das Engagement wird nicht als abstrakte PR-Massnahme wahrgenommen, sondern als echter Beitrag zur Gemeinschaft, in der das Unternehmen und seine Mitarbeiter leben und arbeiten.
Lokales Sponsoring zahlt direkt auf das Image als verantwortungsvoller „Corporate Citizen“ und attraktiver regionaler Arbeitgeber ein. Es zeigt, dass das Unternehmen nicht nur wirtschaftliche Interessen verfolgt, sondern auch soziale Verantwortung für sein direktes Umfeld übernimmt. Für die PR bedeutet dies eine Fülle an positiven Geschichten, die sich leicht erzählen lassen: der gemeinsame Jubel über ein gewonnenes Spiel, die Unterstützung bei der Renovierung des Gemeindehauses oder das Sponsoring des lokalen Kulturfestivals. Diese Geschichten sind menschlich, nahbar und werden von der Community als ehrlich empfunden.
Der strategische Vorteil liegt darin, dass die Wirkung direkt vor der eigenen Haustür stattfindet. Anstatt auf die Berichterstattung in überregionalen Medien zu hoffen, sichert man sich die positive Aufmerksamkeit der Lokalzeitung, des regionalen Radiosenders und, am wichtigsten, die Mundpropaganda der eigenen Mitarbeiter und Nachbarn. Diese Form der PR ist oft kostengünstiger und hat einen nachhaltigeren Effekt auf die Reputation im Kernmarkt des Unternehmens als jede noch so grosse, aber weit entfernte Spendenaktion.
Das Wichtigste in Kürze
- Erfolgreiche Medienarbeit ist kein Zufall, sondern ein strategischer Prozess, der auf dem Verständnis und der Bedienung journalistischer Bedürfnisse beruht.
- Langfristiger Erfolg in der PR entsteht durch den Aufbau eines Glaubwürdigkeits-Kontos bei Journalisten durch kontinuierlichen, uneigennützigen Wertetausch.
- Die Wahl des Kommunikationskanals – von der Tagesschau über Fachmedien bis zu TikTok – muss sich immer an der spezifischen Zielgruppe und den Kommunikationszielen orientieren.
Wie erreichen Sie Auszubildende auf TikTok, ohne als Unternehmen peinlich zu wirken?
Die Generation Z, die zukünftigen Auszubildenden und Fachkräfte, informiert und unterhält sich auf Plattformen wie TikTok und YouTube. Viele Unternehmen erkennen diese Notwendigkeit, scheitern aber bei dem Versuch, diese Zielgruppe zu erreichen. Der häufigste Fehler ist, traditionelle Werbebotschaften in ein TikTok-Video zu pressen. Das Ergebnis ist meist „cringe“ – peinlich und fremdschämend – und schadet der Marke mehr, als es nützt. Der Schlüssel zum Erfolg liegt in einem Wort: Authentizität. Auf TikTok geht es nicht um Hochglanz-Imagefilme, sondern um echte, ungeschönte und unterhaltsame Einblicke.
Die unangefochtene Relevanz von Videoinhalten bei jungen Menschen ist unbestreitbar. Aktuelle Studien zur Mediennutzung zeigen, dass 86 % der 12- bis 19-Jährigen regelmässig Videoinhalte schauen. Um auf diesen Plattformen zu bestehen, müssen Unternehmen die Kontrolle abgeben. Die wahren Stars eines erfolgreichen Azubi-Kanals sind nicht die Marketing-Manager, sondern die Auszubildenden selbst. Sie kennen die Sprache, die Trends und die Ästhetik der Plattform. Geben Sie ihnen die Kamera und das Vertrauen, ihren Alltag zu zeigen: den Berufsschul-Stress, die lustigen Momente in der Werkstatt, die Prüfungsvorbereitung oder einen typischen „Day in the Life“.
Anstatt Trends plump zu kopieren, sollten Unternehmen ihre Azubis ermutigen, diese kreativ auf die eigene Branche zu adaptieren. Ein Tanz-Trend kann in einer Produktionshalle neu interpretiert werden, ein Sound-Meme kann genutzt werden, um einen typischen Kundenwunsch humorvoll darzustellen. Der Inhalt muss einen Mehrwert bieten, sei er informativ („Drei Dinge, die ich in meiner Ausbildung zum Mechatroniker gelernt habe“) oder unterhaltsam. Flache Werbebotschaften wie „Bewirb dich jetzt!“ haben in organischen Videos nichts zu suchen. Der Call-to-Action ist subtil: Der Kanal selbst und die positive, authentische Darstellung des Arbeitsalltags sind die beste Werbung, um qualifizierte Bewerber anzuziehen.
Eine erfolgreiche TikTok-Strategie zur Azubi-Gewinnung erfordert Mut zum Kontrollverlust und Vertrauen in die junge Generation. Die folgenden Schritte helfen dabei:
- Machen Sie Ihre Azubis zu den Stars: Sie sind die authentischsten Botschafter.
- Zeigen Sie echte Einblicke: Berufsschule, Werkstatt, Pausen – keine gestellten Szenen.
- Adaptieren Sie Trends kreativ: Nicht kopieren, sondern auf die eigene Branche anwenden.
- Nutzen Sie Storytelling-Formate: „Day in the Life“ oder „Ask me anything“-Sessions sind beliebter als Werbeclips.
- Fördern Sie Eigeninitiative: Lassen Sie Azubis eigene Content-Ideen entwickeln und umsetzen.
Der Weg zur unbezahlten Sichtbarkeit in den Medien ist eine strategische Disziplin, die Umdenken erfordert. Beginnen Sie noch heute damit, Ihre Expertise nicht als Geschichte, sondern als wertvolle Ressource für Journalisten zu betrachten, und bauen Sie Beziehungen auf, die auf gegenseitigem Nutzen beruhen.