Veröffentlicht am März 15, 2024

Betriebliches Ehrenamt ist der wirksamste Hebel zur Mitarbeiterbindung – wenn es strategisch und nicht nur als PR-Event verstanden wird.

  • Lokale, bedarfsorientierte Projekte schaffen mehr Glaubwürdigkeit und Wirkung als globale Spenden.
  • Die Integration in die Unternehmenskultur, inklusive klarer Compliance-Regeln und Freistellungsmodelle, ist entscheidend für den Erfolg.

Empfehlung: Analysieren Sie die tatsächlichen Bedürfnisse lokaler Organisationen und die Kompetenzen Ihrer Mitarbeiter, um ein wirkungsvolles, kompetenzbasiertes Programm zu starten.

Die Fluktuation steigt, das „Wir-Gefühl“ schwindet und die Suche nach qualifizierten Fachkräften wird zur Daueraufgabe. Als CSR-Verantwortlicher kennen Sie diese Herausforderungen. Oft wird als Lösung das betriebliche Ehrenamt ins Spiel gebracht. Die üblichen Ansätze sind bekannt: ein jährlicher „Social Day“, bei dem ein Spielplatz gestrichen wird, oder eine grosse Spende an eine international tätige Organisation. Diese Massnahmen generieren kurzfristig positive PR, verpuffen aber oft, ohne eine nachhaltige Wirkung auf die Mitarbeiterbindung zu entfalten.

Doch was wäre, wenn der wahre Wert des Corporate Volunteering nicht in der Geste, sondern in der Strategie liegt? Wenn es nicht nur darum geht, Gutes zu tun, sondern darum, das Unternehmen von innen heraus resilienter zu machen? Dieser Leitfaden bricht mit der oberflächlichen Betrachtung und zeigt Ihnen, wie Sie betriebliches Ehrenamt als strategisches Investment in Ihre Unternehmenskultur und als messbares Werkzeug zur Senkung der Mitarbeiterfluktuation etablieren. Es geht darum, von einmaligen Aktionen zu einer tiefen, systemischen Integration überzugehen, die sowohl für die Gesellschaft als auch für Ihr Unternehmen einen echten Mehrwert schafft.

In diesem Artikel beleuchten wir die entscheidenden strategischen Hebel. Wir klären, warum lokales Engagement glaubwürdiger ist, wie Sie soziale Projekte mit echtem Tiefgang organisieren und welche rechtlichen Rahmenbedingungen in Deutschland zu beachten sind. Ziel ist es, Ihnen einen klaren Fahrplan an die Hand zu geben, um Ihr soziales Engagement zu einem zentralen Pfeiler Ihrer Unternehmensstrategie zu machen.

Warum wirkt lokales Sponsoring glaubwürdiger als eine globale Spendenkampagne?

Eine Spende an eine grosse, internationale Organisation ist gut für die Bilanz des sozialen Engagements, doch für Ihre Mitarbeiter bleibt sie oft abstrakt. Lokales Sponsoring hingegen macht das Engagement greifbar und sichtbar. Wenn Mitarbeiter täglich an der gesponserten Sporthalle vorbeifahren oder ihre Kinder im geförderten Verein trainieren, entsteht eine direkte, emotionale Verbindung zum Unternehmen. Diese regionale Verankerung zahlt direkt auf die Mitarbeiteridentifikation und -loyalität ein.

Die Wirkung ist messbar: Mitarbeiter schätzen es, wenn ihr Arbeitgeber vor der eigenen Haustür Verantwortung übernimmt. Eine aktuelle Umfrage zeigt, dass 65% der Mitarbeitenden freiwillige Initiativen im Bereich Umwelt- und Klimaschutz bevorzugen – Themen, die sich oft am besten in lokalen Projekten umsetzen lassen. Die Glaubwürdigkeit steigt, weil der Nutzen direkt im Lebensumfeld der Belegschaft sichtbar wird. Es geht nicht mehr um einen anonymen Betrag in einem Nachhaltigkeitsbericht, sondern um einen konkreten Beitrag zur Verbesserung der eigenen Gemeinschaft.

Praxisbeispiel: EWS-Arena Göppingen

Das Maschinenbauunternehmen EWS Weigele hat dies strategisch genutzt. Angesichts des aufziehenden Fachkräftemangels entschied sich das Unternehmen 2008, Namenssponsor der lokalen Handball-Arena in Göppingen zu werden. Das Ergebnis übertraf die Erwartungen: Der Firmenname erschien nicht nur in der Wirtschafts-, sondern auch in der Sportpresse – und das bundesweit. Laut Geschäftsführer Matthias Weigele ging es darum, die Bekanntheit zu steigern und die regionale Verankerung zu festigen. Das Sponsoring wurde zu einem Aushängeschild für das Unternehmen als attraktiver lokaler Arbeitgeber.

Anstatt Budgets in globale Kampagnen mit hohem Streuverlust zu investieren, kann die gezielte Förderung lokaler Initiativen einen direkteren und authentischeren Einfluss auf die Wahrnehmung des Unternehmens durch seine Mitarbeiter haben. Es ist ein klares Signal: Wir sind Teil dieser Gemeinschaft und investieren in ihre Zukunft – und damit auch in die Zukunft unserer Mitarbeiter.

Wie organisieren Sie einen sozialen Tag, der wirklich hilft und nicht nur PR ist?

Ein „Social Day“ birgt die Gefahr, zu einer reinen PR-Aktion zu verkommen: Ein Team streicht eine Wand, macht ein paar Fotos und der Alltag geht weiter. Echte Wirkung und nachhaltige Mitarbeiterbindung entstehen jedoch nur, wenn das Engagement authentisch ist und einen tatsächlichen Bedarf deckt. Der Schlüssel liegt darin, die Partnerorganisation als Kunden zu betrachten. Fragen Sie nicht: „Wo können wir helfen?“, sondern: „Was sind eure dringendsten Probleme, bei denen unsere Kompetenzen nützlich sein könnten?“

Dieser Perspektivwechsel führt oft weg von einfachen handwerklichen Tätigkeiten hin zum sogenannten Skills-based Volunteering. Vielleicht benötigt die lokale Tafel dringender Hilfe bei der Optimierung ihrer IT oder Buchhaltung als beim Streichen von Wänden. Indem Mitarbeiter ihre beruflichen Fähigkeiten einsetzen, erleben sie eine höhere Sinnerfüllung und das Projekt gewinnt an strategischer Tiefe. Die Organisation eines solchen Tages sollte dabei nicht top-down erfolgen, sondern die Mitarbeiter aktiv einbeziehen.

Team plant gemeinsam einen sozialen Aktionstag mit Post-its und Projektplan

Wie das Bild illustriert, ist die gemeinsame Planung entscheidend. Wenn Mitarbeiter zu Projektmanagern für den sozialen Tag werden, steigt die Identifikation mit dem Vorhaben enorm. Die Verantwortung für die Organisation, von der Bedarfsanalyse bis zum abschliessenden Feedback, schafft ein Gefühl von Eigenverantwortung und Stolz. Es wird „ihr“ Projekt, nicht nur eine vom Unternehmen verordnete Massnahme.

Ihr Plan für einen wirkungsvollen sozialen Tag

  1. Bedarfsanalyse durchführen: Behandeln Sie die Partnerorganisation als Kunden und ermitteln Sie tatsächliche Bedürfnisse (z.B. IT-Support, Buchhaltung statt nur Malerarbeiten).
  2. Betriebsrat frühzeitig einbinden: Nutzen Sie den Betriebsrat nicht nur als rechtliche Notwendigkeit, sondern als strategischen Multiplikator für die interne Kommunikation und Authentizität.
  3. Mitarbeiter zu Projektmanagern machen: Übergeben Sie die Verantwortung für die Organisation in kleinen Teams an interessierte Mitarbeiter, um die Eigeninitiative zu fördern.
  4. Skills-based Volunteering priorisieren: Setzen Sie gezielt die fachlichen Kompetenzen Ihrer Mitarbeiter ein, um einen grösseren und nachhaltigeren Nutzen zu stiften.
  5. Wirkungsdialog nach dem Event: Führen Sie einen strukturierten Feedback-Prozess zwischen Mitarbeitern und der Partnerorganisation durch, um den Erfolg zu messen und zukünftige Projekte zu verbessern.

Die Nachhaltigkeit solcher Aktionen zeigt sich in der Wiederholung. Wie Ursula Wolter, Leiterin des Referats Ehrenamt bei der Diakonie Düsseldorf, betont: „Die Nachhaltigkeit steckt vor allem darin, dass sich Unternehmen jedes Jahr wieder melden, oft für die gleiche Einrichtung.“ Langfristige Partnerschaften schaffen Vertrauen und ermöglichen eine tiefere, wirkungsvollere Zusammenarbeit, die weit über einen einzelnen Aktionstag hinausgeht.

Verein oder Stiftung: Welcher Partner passt zu Ihren Unternehmenswerten?

Die Wahl des richtigen gemeinnützigen Partners ist eine strategische Entscheidung, die Ihre Unternehmenskultur widerspiegeln sollte. Es geht nicht nur darum, einen Empfänger für Spenden zu finden, sondern einen Partner auf Augenhöhe, dessen Arbeitsweise und Werte zu Ihnen passen. In Deutschland prägen vor allem drei Rechtsformen die gemeinnützige Landschaft: der eingetragene Verein (e.V.), die Stiftung und die gemeinnützige GmbH (gGmbH). Jede Form hat ihre eigene „Persönlichkeit“.

Eine Praxis-Studie zum Corporate Volunteering in Deutschland zeigt, dass über 50 führende Unternehmen, darunter 15 DAX-Konzerne, bereits weitreichende Erfahrungen gesammelt haben. Diese Vorreiter wissen, dass die Passung zum Partner entscheidend für die Glaubwürdigkeit des Engagements ist. Ein agiles, partizipatives Tech-Unternehmen findet sich möglicherweise eher in der demokratischen und mitgliedergeführten Struktur eines Vereins wieder. Ein traditionsreiches Familienunternehmen, das auf Langfristigkeit und Stabilität setzt, harmoniert hingegen oft besser mit dem auf Dauer angelegten, zweckgebundenen Charakter einer Stiftung.

Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über die Charakteristika der gängigsten Rechtsformen und ihre jeweilige Eignung für verschiedene Unternehmenskulturen.

Vergleich der gemeinnützigen Rechtsformen in Deutschland
Rechtsform Charakteristik Passt zu Unternehmenskultur Vorteile
e.V. (eingetragener Verein) Demokratisch, mitgliedergeführt Agile, partizipative Unternehmen Hohe Glaubwürdigkeit, lokale Verankerung
Stiftung Zweckgebunden, langfristig Traditionelle, werteorientierte Unternehmen Nachhaltigkeit, klare Zweckbindung
gGmbH Unternehmerisch, flexibel Dynamische, ergebnisorientierte Unternehmen Professionelle Struktur, Effizienz

Die Wahl des Partners ist somit mehr als eine Formalie; sie ist ein klares Statement. Sie definiert, wie Ihr Unternehmen soziale Verantwortung versteht: eher basisdemokratisch und nah am Bürger (e.V.), als nachhaltiger, langfristiger Förderer (Stiftung) oder als effizienter, unternehmerisch denkender Problemlöser (gGmbH). Eine sorgfältige Prüfung stellt sicher, dass die Partnerschaft authentisch ist und von Mitarbeitern und Öffentlichkeit als solche wahrgenommen wird.

Das Compliance-Risiko bei Spenden: Wann wird Gutmeinen zur Bestechung?

Soziales Engagement ist essenziell, doch der Weg dorthin ist mit rechtlichen Fallstricken gepflastert. Insbesondere in Deutschland, wo Compliance einen hohen Stellenwert hat, kann gut gemeintes Handeln schnell zu einem ernsten Risiko werden. Die Grenze zwischen einer legitimen Spende und einer unzulässigen Zuwendung (Bestechung) ist schmal. Ein klassisches No-Go ist beispielsweise eine Spende an eine Organisation, deren Vorstand ein wichtiger potenzieller Kunde oder ein entscheidungsbefugter Politiker ist. Hier kann schnell der Anschein einer Gegenleistung entstehen.

Um diese Risiken zu minimieren, sind klare interne Richtlinien unerlässlich. Diese sollten eindeutige Wertgrenzen, Dokumentationspflichten und Genehmigungsprozesse definieren. Eine wichtige Orientierung bietet die steuerliche Freigrenze für Geschenke an Geschäftsfreunde, die seit 2024 bei 50 Euro liegt. Alles darüber erfordert eine sorgfältige Prüfung und Dokumentation. Das Vier-Augen-Prinzip bei allen Spenden- und Sponsoring-Entscheidungen sollte Standard sein, um Einzelentscheidungen und potenzielle Interessenkonflikte zu vermeiden.

Nahaufnahme von Händen, die Compliance-Dokumente mit einem Stift prüfen

Eine saubere Trennung in der Buchhaltung ist ebenfalls entscheidend. Es muss klar zwischen einer Spende (freiwillige Zuwendung ohne Gegenleistung), einem Sponsoring (Leistung mit vertraglich vereinbarter Gegenleistung, z.B. Logoplatzierung) und einer Schenkung unterschieden werden. Diese saubere buchhalterische Differenzierung schützt nicht nur vor rechtlichen Konsequenzen, sondern schafft auch Transparenz gegenüber dem Finanzamt und den Stakeholdern.

Zur Vermeidung von Compliance-Fallen sollten Sie folgende Punkte beachten:

  • Vier-Augen-Prinzip: Implementieren Sie bei allen Spenden- und Sponsoring-Entscheidungen einen Genehmigungsprozess mit mindestens zwei Personen.
  • Klare Wertgrenzen: Definieren Sie feste Obergrenzen für Geschenke und Zuwendungen.
  • Dokumentationspflicht: Führen Sie eine lückenlose Dokumentation für alle Zuwendungen, insbesondere über der steuerlichen Freigrenze.
  • No-Go-Szenarien definieren: Schliessen Sie Spenden an Organisationen von Politikern, Amtsträgern oder Geschäftspartnern kategorisch aus.
  • Hinweisgebersystem: Etablieren Sie einen Kanal, über den Mitarbeiter vertraulich verdächtige Vorgänge melden können.

Ein robustes Compliance-Management ist kein Hindernis für soziales Engagement, sondern dessen Fundament. Es schützt das Unternehmen und seine Führungskräfte und stellt sicher, dass das Engagement seine positive Wirkung ohne negative Nebeneffekte entfalten kann.

Wann sollten Sie Mitarbeiter für das Ehrenamt freistellen, ohne den Betrieb zu stören?

Die Frage nach der Freistellung von Mitarbeitern für ehrenamtliche Tätigkeiten ist ein zentraler Punkt bei der Implementierung eines Corporate-Volunteering-Programms. Die Antwort ist ein klares „Ja, aber strategisch“. Die Freistellung während der Arbeitszeit ist das stärkste Signal, das ein Unternehmen senden kann: Wir meinen es ernst mit unserem Engagement, es ist uns Arbeitszeit wert. Dieser Vertrauensvorschuss zahlt sich direkt aus: Eine Studie von Benevity zeigt eine um 52% geringere Kündigungswahrscheinlichkeit bei Mitarbeitern, die an Corporate-Purpose-Programmen teilnehmen.

Um den Betriebsablauf nicht zu stören, sind flexible und planbare Modelle entscheidend. Anstatt spontane Freistellungen zu gewähren, haben sich in der Praxis mehrere Ansätze bewährt:

  • Feste Kontingente: Jeder Mitarbeiter erhält ein festes Zeitbudget pro Jahr (z.B. ein bis zwei Arbeitstage), das er nach Absprache mit dem Vorgesetzten für zertifizierte Projekte einsetzen kann.
  • Team-Aktionstage: Gebündelte Aktionstage für ganze Abteilungen, die lange im Voraus geplant werden und sich so in die Projekt- und Urlaubsplanung integrieren lassen.
  • Flexible Zeitgutschriften: Mitarbeiter, die sich in ihrer Freizeit engagieren, erhalten dafür einen Ausgleich in Form von zusätzlichen Urlaubstagen oder flexiblen Arbeitszeiten.

Ein herausragendes Beispiel für eine gelungene Integration ist SAP. Der Softwarekonzern ermöglicht seinen Mitarbeitern, sich während der Arbeitszeit in sozialen Projekten zu engagieren, und unterstützt sie dabei umfassend. Während des jährlichen „Global Month of Service“ können Angestellte ihre beruflichen Kompetenzen für gemeinnützige Projekte einsetzen. Programme wie das „Social Sabbatical“ erlauben es Mitarbeitern sogar, für mehrere Wochen in einem sozialen Projekt im Ausland zu arbeiten – eine Investition in globale Kompetenz und Mitarbeiterbindung, die den normalen Betrieb durch langfristige Planung nicht stört.

Die Einbindung des Betriebsrats ist hierbei nicht nur eine rechtliche Pflicht, sondern eine strategische Chance. Ein von Anfang an informierter und überzeugter Betriebsrat kann als wichtiger Multiplikator fungieren und die Akzeptanz der Modelle in der Belegschaft deutlich erhöhen. Letztendlich ist die Freistellung keine Störung, sondern ein geplanter Teil der Personalentwicklung und eine Investition in die Loyalität und Motivation der Mitarbeiter.

Wie binden Sie kritische NGOs in Ihre Nachhaltigkeitsstrategie ein?

Nichtregierungsorganisationen (NGOs) sind oft die schärfsten Kritiker von Unternehmen – aber sie können auch die wertvollsten Partner sein. Eine rein defensive Haltung gegenüber kritischen Stimmen führt in eine Sackgasse. Der strategisch klügere Weg ist der proaktive Dialog. Anstatt Konfrontation zu suchen, sollten Sie auf Ko-Kreation setzen. Kritische NGOs verfügen oft über eine enorme Fachexpertise und eine hohe Glaubwürdigkeit in der Öffentlichkeit. Indem Sie sie in Ihre Strategieentwicklung einbinden, gewinnen Sie nicht nur wertvolle Einblicke, sondern auch einen starken Verbündeten.

Der Schlüssel liegt darin, den Dialog zu institutionalisieren. Eine Studie zeigt, dass bereits 25 der 30 DAX-Unternehmen strukturierte Stakeholder-Dialoge führen. Erfolgreiche Formate gehen dabei über reine Informationsveranstaltungen hinaus. Sie nutzen einen sogenannten trimodalen Ansatz, der systematisch die Perspektive des Unternehmens, die der Mitarbeiter und die der Non-Profits untersucht. Ziel ist es, gemeinsame Ziele zu identifizieren und von einer konfrontativen Haltung zu einer gemeinsamen Lösungsfindung zu gelangen.

Corporate Volunteering kann hier als Brücke dienen. Bieten Sie kritischen NGOs an, dass Ihre Mitarbeiter ihre Fachexpertise (z.B. in IT, Finanzen, Marketing) im Rahmen von Skills-based Volunteering einbringen. Dieser praktische, lösungsorientierte Ansatz schafft eine Vertrauensbasis, die weit über theoretische Diskussionen hinausgeht. Die NGO erhält wertvolle Unterstützung und Ihr Unternehmen gewinnt authentische Einblicke in die Herausforderungen und Arbeitsweisen des Sektors.

Ein Human Resources Manager betonte in der „Praxis-Studie Corporate Volunteering 2018“: „Corporate Volunteering ist als wesentlicher Bestandteil einer nachhaltigen Gesamtstrategie zu verstehen. Nur dann ist es ein grosses Ganzes, das wirklich gelebt wird.“ Dieser Satz unterstreicht, dass die Einbindung von NGOs kein isoliertes PR-Thema sein darf, sondern tief in der strategischen Ausrichtung des Unternehmens verankert sein muss. Die Bereitschaft, auch kritischen Partnern zuzuhören und mit ihnen zusammenzuarbeiten, ist der ultimative Beweis für die Ernsthaftigkeit Ihrer Nachhaltigkeitsbemühungen.

Sommerfest oder Teambuilding-Workshop: Was stärkt das Wir-Gefühl nachhaltig?

Ein Sommerfest sorgt für gute Stimmung, ein klassischer Teambuilding-Workshop für methodische Erkenntnisse. Doch beide Formate haben oft eine kurze Halbwertszeit. Sobald der Alltag zurückkehrt, verblassen die positiven Effekte. Corporate Volunteering bietet hier einen nachhaltigeren Ansatz, um das Wir-Gefühl zu stärken, da es drei entscheidende Elemente kombiniert: ein gemeinsames, sinnstiftendes Ziel, die Notwendigkeit zur Zusammenarbeit ausserhalb gewohnter Hierarchien und ein greifbares, positives Ergebnis.

Wenn ein Team aus Controllern, Ingenieuren und Marketingexperten gemeinsam einen Garten für einen Kindergarten anlegt oder eine Benefizveranstaltung organisiert, fallen die üblichen Abteilungsgrenzen und Hierarchien weg. Man lernt Kollegen von einer völlig neuen Seite kennen und löst Probleme in einem ungewohnten Kontext. Dieser gemeinsame Erfolgserlebnis schafft eine tiefere und länger anhaltende Verbindung als jede Kletterwand. Die Zahlen bestätigen dies: Laut einer VolunteerHub-Studie glauben 80% der Mitarbeitenden, dass gemeinsames Volunteering die Beziehungen zu Kolleginnen und Kollegen stärkt.

Die beste Strategie ist oft eine Kombination. Das Versicherungsunternehmen ERGO zeigt, wie es geht: Im Rahmen von Aktionstagen engagieren sich Mitarbeiter in Freiwilligenprojekten an ihrem Standort. Anschliessend wird der gemeinsame Erfolg bei einem Teamfest gefeiert – idealerweise zusammen mit Vertretern der unterstützten Organisation. Diese „Best-of-Both-Worlds“-Strategie verbindet den tiefen, sinnstiftenden Charakter des ehrenamtlichen Engagements mit der lockeren, feierlichen Atmosphäre eines Teamevents. Das Ergebnis ist eine doppelt positive Erfahrung, die im Gedächtnis bleibt.

Im Vergleich zum klassischen Sommerfest, das oft nur dem reinen Vergnügen dient, bietet ein gemeinsames soziales Projekt einen geteilten Sinn („Purpose“). Und im Gegensatz zu einem oft theorielastigen Workshop liefert es ein konkretes, sichtbares Resultat. Die Mitarbeiter haben nicht nur über Teamarbeit geredet, sie haben sie gelebt – und dabei etwas Gutes für die Gemeinschaft getan. Diese Erfahrung ist ein unschätzbarer Baustein für eine starke, resiliente Unternehmenskultur.

Das Wichtigste in Kürze

  • Strategie vor Aktion: Wirkliches Engagement beginnt mit einer Bedarfsanalyse und der Wahl des passenden Partners, nicht mit der Planung eines Events.
  • Lokal statt global: Greifbare, regionale Projekte schaffen eine höhere Glaubwürdigkeit und Identifikation bei den Mitarbeitern als anonyme, weltweite Spenden.
  • Kompetenzbasiert statt nur handwerklich: Der Einsatz von Fachwissen (Skills-based Volunteering) stiftet mehr Nutzen und Sinn als rein manuelle Tätigkeiten.

Wie platzieren Sie Ihre Expertenthemen in Leitmedien, ohne dafür zu bezahlen?

Ein strategisch aufgebautes Corporate-Volunteering-Programm ist nicht nur gut für die Mitarbeiterbindung, es ist auch eine Goldgrube für authentische Geschichten – und damit für Ihre Öffentlichkeitsarbeit. Anstatt teure Anzeigen zu schalten, können Sie durch gezieltes Storytelling eine organische und glaubwürdige Medienpräsenz aufbauen. Der Schlüssel liegt darin, von der reinen Berichterstattung über Events („Wir haben gespendet“) zu einer Positionierung als Thought Leader überzugehen.

Authentisches Engagement generiert Daten und Geschichten, die für Journalisten relevant sind. Anstatt nur zu sagen, dass Sie Gutes tun, können Sie es belegen. Entwickeln Sie datenbasierte Stories, indem Sie interne KPIs auswerten: Wie hat sich die Fluktuation in Abteilungen mit hohem Engagement entwickelt? Wie hat sich die Bewerberqualität verändert? Aufbereitet als exklusive Mini-Studie wird Ihr Engagement für Wirtschaftsmedien interessant. Eine Deloitte-Studie unterstreicht die Relevanz solcher Ansätze: 83% der befragten Unternehmen geben an, dass virtuelle Freiwilligenarbeit die Mitarbeiterbindung erheblich verbessert – ein starker Anknüpfungspunkt für Gastbeiträge zum Thema „New Work“ und „Purpose Economy“.

Die wirkungsvollsten Strategien für PR ohne Mediabudget basieren auf Authentizität und messbaren Erfolgen:

  • Datenbasierte Stories entwickeln: Bereiten Sie interne Kennzahlen zu Ihrem Corporate-Volunteering-Programm (z.B. Einfluss auf Fluktuation, Bewerberqualität) als exklusive Studie auf und bieten Sie diese Fachmedien an.
  • Menschliche Geschichten erzählen: Erstellen Sie Porträts von Mitarbeitern, die durch ihr Engagement neue Fähigkeiten entdeckt oder eine besondere Verbindung zu einem Projekt aufgebaut haben. Diese persönlichen Geschichten sind für Lokalmedien und Lifestyle-Magazine attraktiv.
  • Positionierung als Vordenker: Nutzen Sie Ihre Expertise, um Gastbeiträge zu übergeordneten Themen wie „Purpose Economy“, „New Work“ oder „Nachhaltige Unternehmensführung“ in Leitmedien zu platzieren.
  • Partner-NGO als Botschafter nutzen: Authentische Testimonials von respektierten gemeinnützigen Partnern haben eine hohe Glaubwürdigkeit. Bitten Sie Ihre Partner um ein Statement zur Zusammenarbeit.
  • Lokale Erfolge messbar machen: Kommunizieren Sie konkrete, greifbare Ergebnisse statt abstrakter Phrasen. „Wir haben 20 Schulranzen für Erstklässler finanziert“ ist stärker als „Wir haben Bildung gefördert“.

Durch diesen strategischen Ansatz wird Ihre PR-Arbeit zum Nebenprodukt Ihres echten Engagements. Sie müssen keine Geschichten erfinden – Sie müssen nur die erzählen, die durch Ihr Handeln bereits entstehen. Das ist die glaubwürdigste und letztlich effektivste Form der Unternehmenskommunikation.

Beginnen Sie jetzt damit, Ihr Corporate-Volunteering-Programm von einem Kostenpunkt zu einem messbaren Erfolgsfaktor für Ihr Unternehmen zu entwickeln.

Geschrieben von Lukas Sander, Growth Marketer und PR-Spezialist für B2B-Kommunikation und digitalen Vertrieb. Fokus auf Social Selling, Krisenkommunikation und Customer Experience.